Bevor die Industrie in den Süden zog

WAZ/NRZ DU-Süd vom 06.05.2011 - Gabriele Beautemps

Noch vor 50 Jahren war der Duisburger Süden, hier in der Nähe der Holtumer Mühle bei Serm, stark landwirtschaftlich geprägt. Bild: Sammlung Stausberg
Noch vor 50 Jahren war der Duisburger Süden, hier in der Nähe der Holtumer Mühle bei Serm, stark landwirtschaftlich geprägt. Bild: Sammlung Stausberg

Wo die Garage der HKM-Werkfeuerwehr steht, da ackerte früher der Bauer des Medefurter Hofs. Und dort, wo sich auf der Regattastrecke die Ruder-Asse messen, be­fand sich bis 1934 ebenfalls ein Bauernhof, der Schmalenbachhof.

Stadthistoriker Harald Molder befasst sich im Rahmen der nächsten Zeitzeugenbörse mit den Bauernhöfen im Sü­den. Ein spannendes Thema - die Veranstaltung in der Be­zirksbibliothek am Sittardsberg war so schnell ausgebucht, dass nun ein zweiter Termin angeboten wird.

Der Süden war die Kornkammer Duisburgs. Bevor die großen Werke und im Zuge damit die neuen Wohngebiete für die Arbeiter entstanden, prägte die Landwirtschaft das Bild. Man zog mit zwei Blechkannen los und holte sich die frische Milch direkt vom Bauernhof. Das war bis in die 50er Jahre noch so. Damals sprach allerdings noch niemand vom Ab-Hof-Verkauf.

Harald Molder (50) erinnert sich noch an Sackenheim-Schwestern, die mit Kopftuch und in geblümten Kitteln ihre dreirädrige Karre durch die Straßen zogen und Gemüse verkauften. Und er war selbst dabei, als Danes Kotten an der Mündelheimer Straße in Hüttenheim abgerissen wurde. „Das war schon komisch. Plötzlich fehlt da etwas im Stadtbild“.

Am bekanntesten und wirtschaftlich erfolgreichsten war der Holtumer Hof in Serm. Ferdinand und Elisabeth Schmitz zogen dort 1919 eine erfolgreiche Pferdezucht auf. Die Kaltblüter vom Holtumer Hof wurden in ganz Deutschland verkauft. Im benachbarten Postenhof wird immer noch jährlich die Hubertusmesse gefeiert.

Als prägnante Landmarke - lange Zeit vor den Halden - fiel die Windmühle ein Stück westlich vom Holtumer Hof auf. Die Mühle wurde im Zweiten Weltkrieg stark be­schädigt, die Ruine blieb noch bis in die 60er Jahre stehen und wurden dann abgerissen.

Hauptsächlich wurde im Süden Korn, in Serm außerdem noch Kohl angebaut. „Wer im Sommer Kappes klaut, hat im Winter Sauerkraut“, zitiert Molder dazu einen Spruch aus dem Kappesdorf. Einige Höfe waren zu­nächst zur Bewachung der Han­delswege gebaut. „Als es nichts mehr zu bewachen gab, schwenkte man auf Landwirtschaft um“, so Molder. Der Steinhof, das älteste Gebäude im Süden, aus dem 12. Jahrhundert war wohl ursprünglich als Zollstation an der alten Handelsstraße zwischen Kaiserswerth und Duisburg angelegt. Die Nutzung als Bauernhof belegt ein Pachtvertrag aus dem Jahre 1694.

Rahm, heute bevorzugte Ein­familienhaussiedlung, war bis Mitte des letzten Jahrhunderts bäuerlich geprägt. Als sich dann die ersten Ingenieure der Demag mit ihren Familien entlang der Anger ansiedelten, verschwanden die Hö­fe und Ackerflächen. Der Maulbaumskotten zum Beispiel wurde Ende der 50er Jahre abgerissen. „Viele der Bauern haben damals gutes Geld gemacht“, sagt Molder. Der Verkauf ihrer Äcker war gewinnbringender als die Landwirtschaft.

Harald Molder hat das Ma­terial von 300 Bauernhöfen und Mühlen gesichtet und die interessantesten herausgesucht. Wahrscheinlich können die Besucher der Veranstaltungen wieder die ein oder andere selbst erlebte Ge­schichte beisteuern.

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Zeitsprünge:
Rheinhausen (2015)

Duisburg-Hochfeld und das Dellviertel (2015)

Duisburg-Homberg und -Hochheide (2015)

 

Duisburg-Meiderich (2014)

Zeitsprünge: Duisburg-Süd (2014)

 

Duisburger Hütten- werke (2014)

Die Duisburger Straßenbahn (2014)

 

Duisburg-Neudorf (2013)


Zeitsprünge: Alt-Duisburg (2013)

 
Rheinhausen (2013)

 

Duisburg im Bombenhagel (2012)

 
Duisburg-Duissern (2012)

 

Alte Gaststätten und Cafés (2012)

Duisburg-Großenbaum  und Rahm (2011)