Bildband „Rheinhausen – früher und heute“ erschienen

WAZ vom 30.10.2015 - Stephan Sadowski

Duisburger Geschichtsverein Zeitzeugenbörse präsentiert zweiten Bildband „Rheinhausen - früher und heute“. Alte und neue Ortsansichten gegenüber gestellt.

Es ist mehr als die Mühe eines Sommers: Der neue Bildband „Rheinhausen – früher und heute“, zusammengestellt von der Zeitzeugenbörse Duisburg, stand als Idee schon vor drei Jahren im Raum. „Es kamen damals Anregungen von unseren Mitgliedern, doch mal etwas über den Duisburger Westen zu machen“, erzählt Harald Molder, 1. Vorsitzender des geschichtlichen Vereins, bei der Buchpräsentation in der Bezirksbibliothek Rheinhausen.

Man fing an zu sammeln, alles was mit den Anfängen Rheinhausens in Verbindung gebracht werden konnte – und mit dem Archivar Reinhold Stausberg verfügt die Zeitzeugenbörse über einen der findigsten Sammler Duisburgs: „Ich gehe immer mal wieder über Trödelmärkte, um Duisburger Relikte aus der alten Zeit zu ergattern“, sagt der 57-jährige, dessen Wohnung schon einem „begehbaren Archiv“ gleiche.

Erstmals haben es die Autoren gewagt, alte Fotos aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts unmittelbar neuen Fotos der jetzigen Situation des Stadtbildes, die sie in diesem Sommer aufnahmen, gegenüberzustellen. Im „Making of“ erklärt Harald Molder den etwa 60 Gästen die Vorgehensweise in Form einer Lichtbildpräsentation: „Anhand von älteren Zeitzeugen und Google-Earth haben wir genau die Perspektive gesucht, wo die Fotos damals gemacht wurden, und dann die aktuellen Bilder geschossen. Das war schon geocashing pur“, erzählt Harald Molder, der selbst in Ungelsheim im Duisburger Süden wohnt. Beim Vortrag sieht man auch „waghalsige“ Momente, als der zweite Vorsitzende des Vereins, Andre Sommer, an der Kaimauer des alten Krupp-Hafen steht, um dort ein Bild im neuen Logport-Gelände zu schießen. „Andre Sommer und Melanie Patten waren einfach unersetzlich, weil sie als Rheinhauser die ganzen Orte am besten kennen.“


Alte und neue Ansichten gegenüber

Durch diese Gegenüberstellung der Bilder wird das Buch ein spannender Streifzug durch die Stadtgeschichte, besonders deutlich wird die Entwicklung von dem noch durch viele Gehöfte geprägtem, niederrheinisch anmutendem Rheinhausen zum heutigen Stadtbild. Bilder der alten Schächte Wilhelmine Mevissen 1 und 2, sowie vom alten Kruppschen Siemens Martinwerk verbreiten industriellen Charme, den man sich kaum noch vorzustellen vermag, wenn man heute stattdessen auf das Bergheimer Gewerbegebiet oder das Logport-Gelände blickt.

Rundblicke vom Rathausturm, damals wie heute, sind mit dabei, die die frühere noch dünne Besiedlung verdeutlichen, genauso wie damalige zentrale Punkte der Stadt „Impelmann“, „Stüning“ oder „Verrode“, die noch heute ihre Bedeutung für das Stadtbild haben. „Die Begriffe sind immer noch im aktuellen Sprachgebrauch enthalten, obwohl die Wirtschaften oder Geschäfte nicht mehr existieren“, so Molder. Und wer kennt noch die alte „Kruppsche Bierhalle“, Ecke Schwarzenberger/ Atroper Straße, die bei einem Luftangriff 1944 völlig zerstört wurde, oder weiß, dass es ein Lager „Camp de Tamines“ von belgischen Besatzungstruppen um 1930 gab? Schön sind auch die historischen Erläuterungen im Begleittext zu den Fotos, die das Buch sehr lesenswert machen.

Natürlich darf die Gaststätte „Zum Reichsadler“ nicht fehlen, zu der doch jeder richtige Rheinhauser eine Verbindung habe: „Man erzählt, dass dort an bestimmten Tagen 1.000 Liter Schnaps für die Kruppianer ausgeschenkt worden sind“, schmunzelt Molder.

Bilder vom alten Friemersheim zeigen einen Bahnhof noch in Betrieb und eine Kaiserstraße mit Straßenbahnschienen, „die dann zum Friedhof führten.“ Und ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt das „Musikerviertel“, als es noch ein „weites Feld“ war. Über Schwarzenberg, Oestrum, den Hohenbudberger Verschiebebahnhof und die verschiedenen Mühlen endet die Stadtreise mit einem Bild vom Trompeter Bahnhof, auf dem noch Akkumulatorentriebwagen zu erkennen sind.

Beifall zollt auch Klaus de Jong, der in den 80er-Jahren selbst einige Rheinhauser Bildbände herausgebracht hat: „Ich weiß noch, wie ich selbst die alten Fotos dann als Lichtbildvortrag in Rheinhauser Wirtschaften gezeigt habe. Das hier ist eine tolle Arbeit der Zeitzeugenbörse geworden.“

INFO-BOX Das Buch „Rheinhausen – früher und heute“ der Zeitzeugenbörse ist erschienen im Sutton Verlag, ISBN-Nr 978-3-95400-572-7, Stückpreis: 19,99 Euro. Die Zeitzeugenbörse Duisburg hat 70 Mitglieder, der Verein hat schon mehrere solcher Bildbände zu Duisburger Themen herausgegeben.

Zwei besondere Veranstaltungen hat die Rheinhauser Bücherinsel geplant. Rheinhausen gestern und heute - Wie sah Rheinhausen früher aus, wie haben sich Standorte im Laufe vieler Jahre verändert? Mit dem Bildband „Rheinhausen- früher und heute“ aus dem Sutton Verlag bekommen Rheinhauser die Gelegenheit, sich einmal mehr mit der Rheinhauser Geschichte zu beschäftigen. Am Mittwoch, 28. Oktober, um 19.30 Uhr, wird Harald Molder von der Duisburger Zeitzeugenbörse in der Rheinhauser Bezirksbibliothek am der Händelstraße 6 das Buch vorstellen und viele zum Teil bisher unveröffentlichte Fotos zeigen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, die Bücherinsel Rheinhausen wird an diesem Abend mit einem Büchertisch vertreten sein.

Ein Blick in die Geschichte | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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Die Bücher der ZeitZeugenBörse im Sutton Verlag:

 

 

Duisburg 100 Jahre in Bildern (Mai 2019)

 

Duisburg-Neuenkamp und Kaßlerfeld in alten Bildern (Februar 2019)

 

Laar, Beeck, Beecker-
werth in historischen Fotografien (2017)

Die Duisburger Eisen-bahnen in alten Foto-
grafien (2017)

Duisburger Zechen in historischen Fotografien
(2016)

Walsum in historischen Fotografien (2016)

 

Duisburg-Ruhrort in alten Fotografien (2016)

Zeitsprünge:
Rheinhausen (2015)

Duisburg-Hochfeld und das Dellviertel (2015)

Duisburg-Homberg und -Hochheide (2015)

 

Duisburg-Meiderich (2014)

Zeitsprünge: Duisburg-Süd (2014)

 

Duisburger Hütten- werke (2014)

Die Duisburger Straßenbahn (2014)

 

Duisburg-Neudorf (2013)


Zeitsprünge: Alt-Duisburg (2013)

 
Rheinhausen (2013)

 

Duisburg im Bombenhagel (2012)

 
Duisburg-Duissern (2012)

 

Alte Gaststätten und Cafés (2012)

Duisburg-Großenbaum  und Rahm (2011)