Ausstellung erinnert an Duisburger Bombenangriffe

WAZ/NRZ vom 16.10.2019

Zeitzeugenbörse zeigt bis 1. November historische Fotos vom zerstörten Duisburg in der Kirche St. Joseph. Im Vorfeld hatte es Ärger gegeben.

 

„So etwas darf sich nie wiederholen. Das ist unser Anliegen, warum wir diese Ausstellung organisieren“, erklärt Harald Molder, Vorsitzender der Zeitzeugenbörse. Am 14. und 15. Oktober 1944 warfen mehr als 2000 britische Bomber über Duisburg fast 9000 Tonnen Bomben ab. Es war der bis dahin größte Angriff auf eine deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg. Zum 75. Jahrestag der Operation „Hurricane“ hat die Zeitzeugenbörse historische Fotos zusammengestellt und zeigt sie in der Kirche St. Joseph.

 

„Irritationen“ im Vorfeld: Künstler hatte sich zurück gezogen

Im Vorfeld der Schau hatte es „Irritationen“ gegeben, weil eigentlich eine gemeinsame Ausstellung mit dem Künstler Cyrus Overbeck geplant war. Er zog sich allerdings zurück, weil er die Duisburger nicht nur als Opfer dargestellt wissen wollte. Die Zeitzeugenbörse verschob daraufhin ihre Ausstellung um eine Woche. „Es stimmt, dass wir nicht auf die jüdische Geschichte eingehen, weil es zu diesem Zeitpunkt kaum noch jüdisches Leben in Duisburg gab. Das wäre eine separate Ausstellung. Wir wollen die Zerstörung der Stadt zeigen“, erklärt Molder. Aus hunderten Bildern und Dokumenten hat er eine Auswahl getroffen. Das Material stammt zum Teil aus England. Um zu dokumentieren, wer bei den Angriffen ums Leben kam, wurden zudem Karteikarten von Friedhöfen ausgewertet. So erfährt der Besucher nicht nur wie viele Duisburger ums Leben gekommen sind, sondern auch Personen aus den Nachbarstädten sowie Soldaten. Zu sehen sind Logbuch-Einträge, die zerbombte Kirche St. Joseph oder das zerstörte Krankenhaus St. Vincenz in der Nachbarschaft. Erklärungen, was auf den Fotos genau zu sehen ist, müssen allerdings noch nachgereicht werden.

 

Erschütternd ist ein Gedicht von einer Duisburgerin, die zu den Geschehnissen etwas gereimt hat: „Wo Westfalen sich an’s schöne Rheinland schmiegt, wo der große Trümmerhaufen Duisburg liegt, wo Ruinen ragen über’s Land hinaus, da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus. Wo Sirenen heulen wütend zum Alarm, wo die Jäger peitschen in den Feindesschwarm, wo Kanonen dröhnen und die Flak setzt ein, kann nur meine Heimat, kann nur Duisburg sein.“ Harald Molder, aus dessen Familie ebenfalls Personen in Bergen-Belsen ermordet wurden, kann nicht begreifen, wie solche Ereignisse zu Lyrik inspirieren.

 

Zeitzeugin Ingrid Menk erinnert sich: Der Duisburger Süden „hatte Glück“

Zeitzeugin Ingrid Menk (85) hat damals 18 Stunden in einem Bunker bei Mannesmann Tor 1 ausgeharrt. „Erst gab es einen Voralarm. Meine Mutter schickte mich mit dem Kinderwagen, in dem meine Schwester lag, schon einmal los. Sie wollte nachkommen, weil sie noch Essen auf dem Herd hatte.“ Doch kurz vor dem Bunker schloss der Wart die Tür. Eine Nachbarin holte sie und die kleine Schwester von der Straße und brachte sie in den eigenen Keller. Als das erste Bataillon abgezogen war, liefen sie schnell zum Schutzraum, den auch ihre Mutter noch rechtzeitig erreichte. „Im Süden hatten wir Glück, es ist kaum etwas zerstört worden, weil die Alliierten Mannesmann demontieren wollten. Jeder von meiner Familie hat den Krieg überlebt.“

 

Wie sie nach den 18 Stunden aus dem Bunker nach Hause gekommen ist, daran erinnert sie sich kaum. „Wir sind dann nach Österreich evakuiert worden.“ Immer, wenn ein Flugzeug kam, verkroch sie sich im Heuschober. „Die anderen Kinder konnten das gar nicht verstehen. Die hatten so etwas ja nicht erlebt.“ Später engagierte sich Ingrid Menk in der Friedensbewegung und erzählte ihren Söhnen und Enkeln von den Erlebnissen. Mit ihrer Enkelin ist sie sogar den Weg abgeschritten, den sie als Mädchen zum Bunker gelaufen war. Die aktuelle politische Lage macht sie „wütend“: „Wir sind mit unseren deutschen Waffen an den Kriegsgeschehnissen in der Welt beteiligt.“ Sie möchte ihre Geschichte erzählen, damit die junge Generation davon erfährt. „Meine Söhne haben glücklicherweise Ersatzdienst geleistet.“

 

Be­gleit­pro­gramm

Zur Aus­stel­lung, die von Mon­tag bis Frei­tag von 15 Uhr bis 18 Uhr be­sucht wer­den kann, gibt es ein Be­gleit­pro­gramm. Am heu­ti­gen Mitt­woch hält Ha­rald Mol­der einen Vor­trag mit dem Titel „Denn sie säen Wind und wer­den Sturm ern­ten.“ Los geht’s um 18 Uhr.

 

Am Frei­tag, 18. Ok­to­ber, 19.30 Uhr fin­det ein Kon­zert mit Lud­ger Schmidt statt. Der Mu­si­ker wird sich mit dem Psy­cho­gramm des Krie­ges aus­ein­an­der­set­zen. In­ter­es­sen­ten für eine Füh­rung mel­den sich unter 0203/28104-30 an.

Zwei besondere Veranstaltungen hat die Rheinhauser Bücherinsel geplant. Rheinhausen gestern und heute - Wie sah Rheinhausen früher aus, wie haben sich Standorte im Laufe vieler Jahre verändert? Mit dem Bildband „Rheinhausen- früher und heute“ aus dem Sutton Verlag bekommen Rheinhauser die Gelegenheit, sich einmal mehr mit der Rheinhauser Geschichte zu beschäftigen. Am Mittwoch, 28. Oktober, um 19.30 Uhr, wird Harald Molder von der Duisburger Zeitzeugenbörse in der Rheinhauser Bezirksbibliothek am der Händelstraße 6 das Buch vorstellen und viele zum Teil bisher unveröffentlichte Fotos zeigen. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, die Bücherinsel Rheinhausen wird an diesem Abend mit einem Büchertisch vertreten sein.

Ein Blick in die Geschichte | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/west/ein-blick-in-die-geschichte-aimp-id11178196.html#plx585613110

Die Bücher der ZeitZeugenBörse im Sutton Verlag:

 

 

Duisburg 100 Jahre in Bildern (25. Mai 2020)

 

Duisburg-Neuenkamp und Kaßlerfeld in alten Bildern (2019)

 

Laar, Beeck, Beecker-
werth in historischen Fotografien (2017)

Die Duisburger Eisen-bahnen in alten Foto-
grafien (2017)

Duisburger Zechen in historischen Fotografien
(2016)

Walsum in historischen Fotografien (2016)

 

Duisburg-Ruhrort in alten Fotografien (2016)

Zeitsprünge:
Rheinhausen (2015)

Duisburg-Hochfeld und das Dellviertel (2015)

Duisburg-Homberg und -Hochheide (2015)

 

Duisburg-Meiderich (2014)

Zeitsprünge: Duisburg-Süd (2014)

 

Duisburger Hütten- werke (2014)

Die Duisburger Straßenbahn (2014)

 

Duisburg-Neudorf (2013)


Zeitsprünge: Alt-Duisburg (2013)

 
Rheinhausen (2013)

 

Duisburg im Bombenhagel (2012)

 
Duisburg-Duissern (2012)

 

Alte Gaststätten und Cafés (2012)

Duisburg-Großenbaum  und Rahm (2011)